Ein Bein, ein Kopf und viele Latrinen

Kalte Spuren 2 – 219, 5./6. Mond, Tag 30/1

Ein Schlachtfeld voller Untoter und ich hörte nur „MiMiMi, die Drow sind gemein zu ihren Dienern“. Wer hatte bloß diesen Zeltplan entworfen und das Lager der Cyrsine Anhänger direkt neben die Drow gesetzt? Diese Person sollte gemeinsam mit dem Linsar Gardisten, Kanta, die Latrinen putzen gehen.

Kanta hatte es doch tatsächlich gewagt, meinen Befehl zu missachten und sich mir in den Weg zu stellen. Er wollte verhindern, dass auch ich am Kampf teilnehme. Dabei hatte mich der Gegner doch bereits mit einem Duellzauber belegt, was ihn für jeden außer mir unbesiegbar machte.

Der Kampf war hart, er verletzte mich schwer an einem Bein, doch ich irgendwann schaffte ich es diesem Koloss den Kopf abzuschlagen. Es dauerte ein wenig, bis dieser tatsächlich zu rollen begann. Aber dann war die Erleichterung groß. Meine zumindest. Meine Kameraden, vor allem Valerian, machten einen riesen Aufstand, weil mein Bein gebrochen war. Doch im Lazarett konnte ich problemlos geheilt werden.

So ein Wirbel um ein kaputtes Bein.

Attentat Nummero Uno

12. Jahresfest SK – 223, 6. Mond, Tag 2-3

Ich saß gemütlich unter einem Baldachin des Schwarzen Kreises, einen kühlen Schwarzwurzelsaft in der Hand. Das Gemurmel der Festgäste untermalte diesen Moment der Ruhe. Doch plötzlich war ein Tumult vor dem Zelt. Die Angreifer waren schneller festgesetzt als als ich mein Schwert ziehen konnte – also sehr schnell!

Viel sagten sie nicht. Anscheinend gibt es einen Kult, der mich töten möchte, um zu beweisen, dass ich unsterblich bin.

Unsinn.

Kind und Kegel

TdT – 223, 8. Mond, Tag 17-19

Unter dem Feldpavillon der Linsar Garde steckten bereits einige der wichtigsten Strategen der vier Quarter ihre Köpfe zusammen. Ich betrat das gut befestigte Lager mit meiner kleinen Tochter Lucy auf dem Arm. Sie konnte bereits gehen, aber bei derartigen Menschenansammlungen vergaß sie das nur zu gern.

Wir setzten uns an den langen Tisch, auf der die Karte Whenuas ausgebreitet lag. Darauf standen kleine Figuren, welche die unterschiedlichen Truppen darstellten. Sofort griff Lucy danach und brachte alles durcheinander. Sie verwendete die Figuren wie Kegel ihres Lieblingsspiels „Siedler geh heim“ und ließ sie über die Karte spazieren.

Doch das viel kaum auf. Die anderen debattierten über die verschiedenen Möglichkeiten Ostarium zurückzugewinnen und welche Fallen Fly ihnen wohl stellen könnte. Ich trug nicht wirklich etwas bei. Sie schienen alles im Griff zu haben.

Das war mir nur Recht. Mich beschäftigte sowieso meine eigen Unternehmung schon ausreichend. In nur einem knappen Monat würde ich mit einem Trupp der Nachricht von Malika nachgehen. Sie braucht dringend meine Hilfe gegen Lucius und seine Untoten.

Attentat Nummero Due

TdT – 223, 8. Mond, Tag 17-19

Es war verdammt heiß. Die Sonne lächelte nicht, sie lachte uns aus. Ich beobachtete die Turnierkämpfe. Wie jedes Jahr war es ein herrliches Spektakel.

Trotz der Hitze lief mir ein kalter Schauer über den Rücken – jemand beobachtete mich. Ich drehte mich um, sah den Dolch und wehrte in gekonnt ab. Doch der Hühne war überraschend kräftig und warf mich zu Boden. Eine kleine Streifwunde durch die Waffe reichte und ich fing an zu zittern und zu schreien. Der Angreifer rief dennoch für alle deutlich hörbar: „Mit besten Grüßen von Fly Silberklinge!“.

Man sagte mir im Nachhinein, dass die Klinge mit Gift überzogen und verzaubert war. Das erklärte warum mein Schutz-Artefakt nicht gewirkt hatte.

Na toll. Zwei Attentate in einem Jahr. Meine Leibgarde wird unglaublich nervig werden…

Auf das Bauchgefühl vertrauen – Rael

TdT – 223, 8. Mond, Tag 17-19

Die Tourniere hatten eigentlich wie immer friedlich angefangen, aber man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben. Spätestens als wir durch ein Orakel hörten, dass ein Attentat auf einen der Protectoren verübt werden sollte, waren wir in höchster Alarmbereitschaft.

Mein Verdacht fiel sofort auf die Protecta, Lyanna del Nolo, schließlich hatte sie erst vor kurzem Krieger gesucht um die Königin von Bariya zu befreien.

Das Problem an der Sache war, dass sich auch alle anderen Protectoren auf dem Fest befanden – also wer war wirklich das Opfer?

Leider wurden wir abgelenkt als Canis von schwarzen Schatten angegriffen wurde und so konnte der Attentäter zuschlagen und mein Verdacht bewahrheitete sich. Die Protecta wurde mit einem vergifteten Dolch verletzt und konnte nur durch die Hilfe von unseren Heilern gerettet werden.

Das nächste Mal verlasse ich mich wieder auf mein Bauchgefühl.

Die Schöne und der Held

TdT – 223, 8. Mond, Tag 17-19

Mittlerweile ist er schon Kult: Der Schönheitswettbewerb der Horde Hondraks.

Und dieses Jahr bat Milan doch tatsächlich mich als Jury beizusitzen. Und wer saß neben mir? Canis! Wie bei so vielen Likörwettbewerben – das konnte nur heiter werden.

Ich habe mich wirklich gut unterhalten. Die Teilnehmer waren bunt gemischt – von bezaubernd über attraktiv bis hin zu gewitzt. Einen besonders bleibenden Eindruck hinterließen eine asiatische Schönheit, ein muskulöser Schamane und ein behelmter Held.

Doch eine Aussage toppte alles. Als die Kandidaten der Reihe nach Teile ihrer Gewandung fallen ließen, sah Canis mich schmunzelnd an: „Lyanna, nächstes Jahr solltest du mal teilnehmen.“

Na, sowas!

Attentat Nummero Tre

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

So jetzt reichts dann aber!

Ich hätte es ja nicht als Attentat bezeichnet, aber später erklärte man mir, es zählt als eins.

Wir zogen aus, um die Königin von Bariya aus ihrer misslichen Lage zu befreien – und sie fiel uns in den Rücken. Als kleine Gruppe, getrennt von der großen Streitmacht, hatten wir es schwer. Ich wurde gemeinsam mit Victoriana in einer Art Bann festgehalten. Sie wurde mit Magie dazu gezwungen mich anzugreifen. Ich erkannte, dass sie sich mental dagegen wehrte, doch sie hatte keine echte Chance. Als meine loyale Kameradin musste sie das mit Entsetzten erfüllen, dass sie mich nicht nur nicht schützen konnte, sondern selbst die Gefahr war.

Ich hielt eine Weile lang durch. Ich kannte Victoriana gut genug, um auch die kleinsten Hinweise zu deuten. So gelang es mir diese gute Kämpferin immer wieder abzuwehren. Dann schaffte es der Rest der Truppe endlich den Bann zu brechen. Doch eine kurze Unaufmerksamkeit, da wurde ich am Unterarm getroffen. Einer der Gegner fing ein wenig meines Blutes auf, und verschwand mit den anderen in der Dunkelheit.

Unsere Gruppe kehrte verletzt und zermürbt zurück ins Lager. Wir alle hatten das Gefühl versagt zu haben. Und konnte ich meinem Urteilsvermögen noch trauen, wenn Freunde derart schnell zu Feinden wurden?

Und was wollen sie mit meinem Blut?

Ein Herz in Ketten – Victoriana

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Wie soll ich es niederschreiben, ohne dass die Tinte selbst zu glühen beginnt vor Scham und Schuld?

Man nennt es ein Attentat – ich nenne es Verrat. Verrat an meiner Pflicht, an meinen Gelübden… an ihr.

Lyanna, meine Protecta.

Die Starke, die Unerschütterliche. Und ich, töricht genug, ihr zum Schwert zu werden, nicht an ihrer Seite, sondern gegen sie.

Ich erinnere mich an den Bann wie an einen bleiernen Nebel, der meine Glieder lenkte, mein Herz in Ketten schlug und doch jede Regung meines Willens verspottete. Ich spürte die kalte Magie, die mich zwang, und dennoch… es war meine Hand, die nach ihrem Leben griff. Meine Klinge, die ihr Blut suchte. Ich kämpfte – oh, wie ich kämpfte in mir selbst – und dennoch musste sie in meinen Augen den Feind erkennen.

Ich sah, wie sie mir auswich, wie sie meine Hiebe abfing. Sie verstand! Sie las zwischen den Bewegungen, dass mein Herz schrie: „Nein! Nicht sie! Niemals sie!“

Doch konnte sie mir je ganz glauben? Oder blieb der Schatten des Zweifels in ihr zurück?

Als der Bann fiel, war es schon zu spät. Ein Hauch nur von Unachtsamkeit, und meine Klinge fand ihr Fleisch. Kein tödlicher Stoß, nur der Arm – aber Blut! Ihr Blut! Kostbar, einzigartig… und nun in den Händen unserer Feinde.

Wir kehrten zurück, gebrochen, jeder von uns ein wenig kleiner, ein wenig leerer. Und ich? Ich trage die schwerste Bürde. Wie soll ich noch in ihr Antlitz blicken? Wie je wieder an ihrer Seite stehen, ohne dass die Erinnerung mich verzehrt?

Denn die Wahrheit, die ich niemals gestehen darf, brennt in mir:

Dieser eine Bann mag gebrochen sein, doch mein Herz, das liegt auf ewig in Ketten. Ich wäre verloren, würde sie es je erfahren.


SIC PARVIS MAGNA
Mit Liebe und Schutz für die Leut‘
Blau und Gold – damals wie heut‘

Aller Leibwächter zum Trotz – Rael

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Als wir am Ort der Schlacht eintrafen bestimmten wir zuerst ein paar Leibwächter für die Protecta. Wir wollten unter allen Umständen verhindern das uns das Gleiche wie auf den Tagen passierte. Die Auswahl war streng und die Auserwählten waren perfekt darauf getrimmt, was ihre Aufgabe sei: Lasst die Protecta nicht aus den Augen. Niemand darf an sie herankommen.

Leider hatten wir nicht bedacht das es dies mal einer der unseren verbockt hatte. Ich nenne seinen Namen nicht, aber er überredete die Protecta zu einem kleinen Ausflug, da er den Aufenhaltsort der Königin von Bariya erfahren hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, sie wurde wieder verletzt und die Gegner hatten nun etwas Blut von ihr. Und wir alle wissen das man mit Blut eine Menge Unfug anstellen kann. Zum Glück endete die Sache dann doch noch zu unseren Gunsten.

Gut getarnt

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Wir haben lange nichts von einem der anderen Posten gehört. Doch da, endlich! Am Rande des Waldes taucht eine Gruppe melvischer Soldaten auf. Sie wirkten stark mitgenommen. Unsere Heiler wollten ihnen bereits endgegenlaufen, doch eine kluge Seele in unseren Reihen hielt sie zurück: „Wir haben eine Schutzlinie errichtet, erwartet die Ankömmlinge dahinter!“

Und tatsächlich, die langersehnte Verstärkung entpuppte sich als gut getarnte Gegner. Durch die entstandene Verwirrung brauchten die versammelten Helden etwas länger als sonst, um die Feinde zu besiegen. Doch es war nicht wirklich schwierig, der eigentliche Angriff war mentaler Natur.

Die aufflammende Hoffnung, welche so schnell wieder zerschlagen wurde, führte uns vor Augen wie düster unsere Lage in Wirklichkeit war.

Ein grausiger Schachzug. Wahrlich…

Sommerfrische

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Sommerfrische auf den Tagen der Tapferkeit. Meine kleine Lucy findet sich schon recht gut ein in der Rolle als Prinzprotecta. Mutig begleitet sie mich in das dunkle Zelt Gnak Praks, während stetiges Trommeln zu hören ist.

Ein Wenig später bekommt sie ein Geschenk einer Heilerin. Sie unterbricht mich in einem politischen Gespräch und sagt: „Mama, ich brauche eine Münze für diese Dame.“

Wie goldig.

Stolze Whenuaner – Marvis

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Es war wieder Zeit für die Tage der Tapferkeit – ein kurze Unterbrechung meiner Reise durch Whenua. Mir war zugesichert worden, dass das Fest ohne große Vorkommnisse und Unwegbarkeiten vonstattengehen sollte, und auch, dass sich die Garde wie üblich um die Feierlichkeiten kümmern würde. Die Eisengrauen selbst standen dafür ein, und so war es mir möglich, nur mit einer kleinen Entourage anzureisen.

Tatsächlich schien es, dass meine Anwesenheit nur Aufputz war, und die weltlichen Belange von Lady del Nolo und den örtlichen Verantwortlichen bereits abgehandelt wurden. Ich dachte daran, mich schon zu Sonnenuntergang zurückzuziehen als die Schatten angriffen. Ohne mich hier in den Details verlieren zu wollen, möchte ich die Leistung der Anwesenden loben, die trotz der fortgeschrittenen Stunde die plötzliche Bedrohung rasch und effizient zerschlugen und das Lager sicherten. Insbesondere Pelias wich während der Unruhen nicht von meiner Seite und hielt stoisch die Ordnung aufrecht, ohne die ein gezieltes Handeln nicht möglich gewesen wäre. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen.

Den nächsten Ring der Verteidigung bildete die Linsar Garde unter Tarik – je mehr ich versuchte, mich aktiv in das Geschehen einzumischen, umso mehr Schilde standen immer an der „falschen“ Stelle und verhinderten jede Gefahr, in die ich mich hätte begeben können.

Dieser Abend zeigte mir wieder, warum wir stolze Whenuaner sein können – und warum dies immer unsere Heimat bleiben wird.

Von Vernunft und Autorität – LiNeer

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Die Protecta, die mir im Turnierkreis gegenübertrat, war nicht dieselbe, die ich kannte.

Zuletzt waren wir uns nur Stunden zuvor in der Grünen Raupe begegnet. Ich war angereist, um meiner Urteilsverkündung beizuwohnen. Ein absurder Gedanke, sich menschlicher Rechtsprechung zu unterwerfen…

Aber mein Trotz war geweckt. Mir waren Drohungen zugetragen worden, ich solle mich nicht oder „besser nicht allein“ auf den Tagen der Tapferkeit blicken lassen. Selbstverständlich war ich prompt ohne (sichtbare) Eskorte angereist. Jetzt saß ich demonstrativ inmitten der Taverne und versuchte, nicht an das Bevorstehende zu denken. Spio… Bekannte hatten mir zugetragen, dass viele sich nicht nur die Todesstrafe für mich wünschten, sondern ihren Einfluss dafür einzusetzen versuchten. Mein Vertrauen in menschliche Justiz war überschaubar, jedoch zweifelte ich keinen Moment an der Entschlossenheit kleinlicher Männer mit persönlicher Vendetta.

Lyanna del Nolos Eintreffen war dagegen eine erfrischende Aussicht auf Vernunft. Die herzliche Begrüßung spiegelte meine Achtung für die Protecta wider – und war zugleich für das Publikum: Still, hier reden die Erwachsenen. Im Gespräch mit der charmanten Anführerin entspannte ich mich.

Ganz anders klang die Frau, die wenig später mit strengen, energischen Worten unser Urteil verkündete. Niemand widerspricht einer solchen Stimme. Obwohl sie die erste Hälfte ihrer Rede darauf verwendete den Versammelten zu erklären, was ich NICHT getan hatte, verlies ich den Turnierkreis wie ein gescholtenes Schulmädchen.

Das also ist die autoritäre Lyanna. Ich muss sagen – ich hasse es nicht.