Sommerfrische

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Sommerfrische auf den Tagen der Tapferkeit. Meine kleine Lucy findet sich schon recht gut ein in der Rolle als Prinzprotecta. Mutig begleitet sie mich in das dunkle Zelt Gnak Praks, während stetiges Trommeln zu hören ist.

Ein Wenig später bekommt sie ein Geschenk einer Heilerin. Sie unterbricht mich in einem politischen Gespräch und sagt: „Mama, ich brauche eine Münze für diese Dame.“

Wie goldig.

Stolze Whenuaner – Marvis

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Es war wieder Zeit für die Tage der Tapferkeit – ein kurze Unterbrechung meiner Reise durch Whenua. Mir war zugesichert worden, dass das Fest ohne große Vorkommnisse und Unwegbarkeiten vonstattengehen sollte, und auch, dass sich die Garde wie üblich um die Feierlichkeiten kümmern würde. Die Eisengrauen selbst standen dafür ein, und so war es mir möglich, nur mit einer kleinen Entourage anzureisen.

Tatsächlich schien es, dass meine Anwesenheit nur Aufputz war, und die weltlichen Belange von Lady del Nolo und den örtlichen Verantwortlichen bereits abgehandelt wurden. Ich dachte daran, mich schon zu Sonnenuntergang zurückzuziehen als die Schatten angriffen. Ohne mich hier in den Details verlieren zu wollen, möchte ich die Leistung der Anwesenden loben, die trotz der fortgeschrittenen Stunde die plötzliche Bedrohung rasch und effizient zerschlugen und das Lager sicherten. Insbesondere Pelias wich während der Unruhen nicht von meiner Seite und hielt stoisch die Ordnung aufrecht, ohne die ein gezieltes Handeln nicht möglich gewesen wäre. Ich freue mich auf unser nächstes Treffen.

Den nächsten Ring der Verteidigung bildete die Linsar Garde unter Tarik – je mehr ich versuchte, mich aktiv in das Geschehen einzumischen, umso mehr Schilde standen immer an der „falschen“ Stelle und verhinderten jede Gefahr, in die ich mich hätte begeben können.

Dieser Abend zeigte mir wieder, warum wir stolze Whenuaner sein können – und warum dies immer unsere Heimat bleiben wird.

Von Vernunft und Autorität – LiNeer

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Die Protecta, die mir im Turnierkreis gegenübertrat, war nicht dieselbe, die ich kannte.

Zuletzt waren wir uns nur Stunden zuvor in der Grünen Raupe begegnet. Ich war angereist, um meiner Urteilsverkündung beizuwohnen. Ein absurder Gedanke, sich menschlicher Rechtsprechung zu unterwerfen…

Aber mein Trotz war geweckt. Mir waren Drohungen zugetragen worden, ich solle mich nicht oder „besser nicht allein“ auf den Tagen der Tapferkeit blicken lassen. Selbstverständlich war ich prompt ohne (sichtbare) Eskorte angereist. Jetzt saß ich demonstrativ inmitten der Taverne und versuchte, nicht an das Bevorstehende zu denken. Spio… Bekannte hatten mir zugetragen, dass viele sich nicht nur die Todesstrafe für mich wünschten, sondern ihren Einfluss dafür einzusetzen versuchten. Mein Vertrauen in menschliche Justiz war überschaubar, jedoch zweifelte ich keinen Moment an der Entschlossenheit kleinlicher Männer mit persönlicher Vendetta.

Lyanna del Nolos Eintreffen war dagegen eine erfrischende Aussicht auf Vernunft. Die herzliche Begrüßung spiegelte meine Achtung für die Protecta wider – und war zugleich für das Publikum: Still, hier reden die Erwachsenen. Im Gespräch mit der charmanten Anführerin entspannte ich mich.

Ganz anders klang die Frau, die wenig später mit strengen, energischen Worten unser Urteil verkündete. Niemand widerspricht einer solchen Stimme. Obwohl sie die erste Hälfte ihrer Rede darauf verwendete den Versammelten zu erklären, was ich NICHT getan hatte, verlies ich den Turnierkreis wie ein gescholtenes Schulmädchen.

Das also ist die autoritäre Lyanna. Ich muss sagen – ich hasse es nicht.

Richtigstellung

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Kaum war ich am Gelände angekommen, ging es los: ein jeder wollte mir seine Meinung zu der „Dämonensache“ aufschwatzen.

Die Drow hatten auf dem letzten Jahresfest des Schwarzen Kreises einen Dämon freigelassen. Das Paktieren mit Dämonen war in Whenua strengstens verboten und wurde mit dem Tode bestraft. Einige drängten mich dazu LiNeer, welche für das Ritual hauptverantwortlich war, sofort hinrichten zu lassen. Ich spürte wie allgemeine Vorurteile gegen die Drow die eigentliche Aussage überschatteten. Eine dunkle Hautfarbe, eine ungewöhnliche Führungsart und vor allem die Aura des Mysteriums – das macht die Drow so schnell zum Ziel von Hass.

Nun war es aber keines Wegs so, dass die Drow den Dämon aus simplem Eigennutz gerufen hatten. Tatsächlich hatte sie ein Mensch, Bruder Richard vom Orden der Heiligen Flamme, darum gebeten die Seele seiner Schwester zu retten. Jene steckte in einer fremden Dimension fest, und bei ihrer Befreiung entkam bedauerlicherweise auch der Dämon.

Anstatt kaltherzig des Gesetz auszuführen und sie für eine nicht-vorsätzliche Tat zu richten, entschied ich ihnen aufzuerlegen, dass sie die eingebrockte Suppe auch wieder auslöffelten. LiNeer und alle am Ritual Beteiligten würden den entkommenen Dämon selbst wieder festsetzen müssen. Das würde ihre Schuld tilgen.

Ich nutzte den Moment direkt vor der Preisverleihung, um der bereits versammelten Gästeschar all dies zu erklären. Die Menge war ungeduldig, weil sie auf die Verkündung der Siegerinnen wartete. Aber diese Richtigstellung war wichtiger.

Die Wahrheit soll alle erreichen und den unbegründeten Hass ersticken.