Attentat Nummero Tre

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

So jetzt reichts dann aber!

Ich hätte es ja nicht als Attentat bezeichnet, aber später erklärte man mir, es zählt als eins.

Wir zogen aus, um die Königin von Bariya aus ihrer misslichen Lage zu befreien – und sie fiel uns in den Rücken. Als kleine Gruppe, getrennt von der großen Streitmacht, hatten wir es schwer. Ich wurde gemeinsam mit Victoriana in einer Art Bann festgehalten. Sie wurde mit Magie dazu gezwungen mich anzugreifen. Ich erkannte, dass sie sich mental dagegen wehrte, doch sie hatte keine echte Chance. Als meine loyale Kameradin musste sie das mit Entsetzten erfüllen, dass sie mich nicht nur nicht schützen konnte, sondern selbst die Gefahr war.

Ich hielt eine Weile lang durch. Ich kannte Victoriana gut genug, um auch die kleinsten Hinweise zu deuten. So gelang es mir diese gute Kämpferin immer wieder abzuwehren. Dann schaffte es der Rest der Truppe endlich den Bann zu brechen. Doch eine kurze Unaufmerksamkeit, da wurde ich am Unterarm getroffen. Einer der Gegner fing ein wenig meines Blutes auf, und verschwand mit den anderen in der Dunkelheit.

Unsere Gruppe kehrte verletzt und zermürbt zurück ins Lager. Wir alle hatten das Gefühl versagt zu haben. Und konnte ich meinem Urteilsvermögen noch trauen, wenn Freunde derart schnell zu Feinden wurden?

Und was wollen sie mit meinem Blut?

Ein Herz in Ketten – Victoriana

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Wie soll ich es niederschreiben, ohne dass die Tinte selbst zu glühen beginnt vor Scham und Schuld?

Man nennt es ein Attentat – ich nenne es Verrat. Verrat an meiner Pflicht, an meinen Gelübden… an ihr.

Lyanna, meine Protecta.

Die Starke, die Unerschütterliche. Und ich, töricht genug, ihr zum Schwert zu werden, nicht an ihrer Seite, sondern gegen sie.

Ich erinnere mich an den Bann wie an einen bleiernen Nebel, der meine Glieder lenkte, mein Herz in Ketten schlug und doch jede Regung meines Willens verspottete. Ich spürte die kalte Magie, die mich zwang, und dennoch… es war meine Hand, die nach ihrem Leben griff. Meine Klinge, die ihr Blut suchte. Ich kämpfte – oh, wie ich kämpfte in mir selbst – und dennoch musste sie in meinen Augen den Feind erkennen.

Ich sah, wie sie mir auswich, wie sie meine Hiebe abfing. Sie verstand! Sie las zwischen den Bewegungen, dass mein Herz schrie: „Nein! Nicht sie! Niemals sie!“

Doch konnte sie mir je ganz glauben? Oder blieb der Schatten des Zweifels in ihr zurück?

Als der Bann fiel, war es schon zu spät. Ein Hauch nur von Unachtsamkeit, und meine Klinge fand ihr Fleisch. Kein tödlicher Stoß, nur der Arm – aber Blut! Ihr Blut! Kostbar, einzigartig… und nun in den Händen unserer Feinde.

Wir kehrten zurück, gebrochen, jeder von uns ein wenig kleiner, ein wenig leerer. Und ich? Ich trage die schwerste Bürde. Wie soll ich noch in ihr Antlitz blicken? Wie je wieder an ihrer Seite stehen, ohne dass die Erinnerung mich verzehrt?

Denn die Wahrheit, die ich niemals gestehen darf, brennt in mir:

Dieser eine Bann mag gebrochen sein, doch mein Herz, das liegt auf ewig in Ketten. Ich wäre verloren, würde sie es je erfahren.


SIC PARVIS MAGNA
Mit Liebe und Schutz für die Leut‘
Blau und Gold – damals wie heut‘

Aller Leibwächter zum Trotz – Rael

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Als wir am Ort der Schlacht eintrafen bestimmten wir zuerst ein paar Leibwächter für die Protecta. Wir wollten unter allen Umständen verhindern das uns das Gleiche wie auf den Tagen passierte. Die Auswahl war streng und die Auserwählten waren perfekt darauf getrimmt, was ihre Aufgabe sei: Lasst die Protecta nicht aus den Augen. Niemand darf an sie herankommen.

Leider hatten wir nicht bedacht das es dies mal einer der unseren verbockt hatte. Ich nenne seinen Namen nicht, aber er überredete die Protecta zu einem kleinen Ausflug, da er den Aufenhaltsort der Königin von Bariya erfahren hatte. Lange Rede, kurzer Sinn, sie wurde wieder verletzt und die Gegner hatten nun etwas Blut von ihr. Und wir alle wissen das man mit Blut eine Menge Unfug anstellen kann. Zum Glück endete die Sache dann doch noch zu unseren Gunsten.

Gut getarnt

Kalte Spuren 3 – 223, 9. Mond, Tag 1-2

Wir haben lange nichts von einem der anderen Posten gehört. Doch da, endlich! Am Rande des Waldes taucht eine Gruppe melvischer Soldaten auf. Sie wirkten stark mitgenommen. Unsere Heiler wollten ihnen bereits endgegenlaufen, doch eine kluge Seele in unseren Reihen hielt sie zurück: „Wir haben eine Schutzlinie errichtet, erwartet die Ankömmlinge dahinter!“

Und tatsächlich, die langersehnte Verstärkung entpuppte sich als gut getarnte Gegner. Durch die entstandene Verwirrung brauchten die versammelten Helden etwas länger als sonst, um die Feinde zu besiegen. Doch es war nicht wirklich schwierig, der eigentliche Angriff war mentaler Natur.

Die aufflammende Hoffnung, welche so schnell wieder zerschlagen wurde, führte uns vor Augen wie düster unsere Lage in Wirklichkeit war.

Ein grausiger Schachzug. Wahrlich…