Richtigstellung

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Kaum war ich am Gelände angekommen, ging es los: ein jeder wollte mir seine Meinung zu der „Dämonensache“ aufschwatzen.

Die Drow hatten auf dem letzten Jahresfest des Schwarzen Kreises einen Dämon freigelassen. Das Paktieren mit Dämonen war in Whenua strengstens verboten und wurde mit dem Tode bestraft. Einige drängten mich dazu LiNeer, welche für das Ritual hauptverantwortlich war, sofort hinrichten zu lassen. Ich spürte wie allgemeine Vorurteile gegen die Drow die eigentliche Aussage überschatteten. Eine dunkle Hautfarbe, eine ungewöhnliche Führungsart und vor allem die Aura des Mysteriums – das macht die Drow so schnell zum Ziel von Hass.

Nun war es aber keines Wegs so, dass die Drow den Dämon aus simplem Eigennutz gerufen hatten. Tatsächlich hatte sie ein Mensch, Bruder Richard vom Orden der Heiligen Flamme, darum gebeten die Seele seiner Schwester zu retten. Jene steckte in einer fremden Dimension fest, und bei ihrer Befreiung entkam bedauerlicherweise auch der Dämon.

Anstatt kaltherzig des Gesetz auszuführen und sie für eine nicht-vorsätzliche Tat zu richten, entschied ich ihnen aufzuerlegen, dass sie die eingebrockte Suppe auch wieder auslöffelten. LiNeer und alle am Ritual Beteiligten würden den entkommenen Dämon selbst wieder festsetzen müssen. Das würde ihre Schuld tilgen.

Ich nutzte den Moment direkt vor der Preisverleihung, um der bereits versammelten Gästeschar all dies zu erklären. Die Menge war ungeduldig, weil sie auf die Verkündung der Siegerinnen wartete. Aber diese Richtigstellung war wichtiger.

Die Wahrheit soll alle erreichen und den unbegründeten Hass ersticken.

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