Es war gemütlich in der Taverne am Abend vor dem Beginn des Jahresfests des Schwarzen Kreises. Ich genoss mein Bier, schaute den Tänzerinnen zu und freute mich auf die kommenden Festlichkeiten. Irgendwann fiel mir der betrübt in seinen Krug starrende junge Mann auf, der so völlig nicht in das Szenario passte.
Wenig später setzte ich mich neben ihn und sprach ihn an. Er erzählte mir, dass er vor kurzem in einer Taverne war, in der ganz anders als hier, finstere Gestalten mehr mit Ränkespiel und Geheimniskrämerei, als mit Feiern beschäftigt waren. Dort wurde er angesprochen und es wurde ihm ein Auftrag erteilt, den er nicht ablehnen konnte. Die Konsequenzen was dann mit ihm und seiner Familie passieren würde, waren abscheulich.
Erst nach mehrmaligen Fragen rückte er mit dem heraus, was er zu tun hatte.
„Besorge mir ein weißes Haar von Lyanna del Nolo, der Protecta von Melvis.“
So lautete die Aufgabe.
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„Ihr kennt die doch?“ fragte er mich mit einem bittenden Blick.
Ich sah ihn ernst an und sagte zu ihm: “Du kannst dir sicher sein, dass du kein Haar der Protecta von ihrem Kopf trennen wirst! Aber schauen wir mal, ob du den Auftrag nicht doch erfüllst.“ Mein Grinsen gab ihm etwas Hoffnung und mich amüsierte die Aufgabe.
„Wir treffen uns am kommenden Morgen, noch bevor Kaffee serviert wird und nicht alle von ihrer durchzechten Nacht wach sind, hier vor dem Eingang.“
Ich verschwand in die Nacht und dachte mir, dass die Aufgabe wohl zu lösen sein sollte. Zu diesem Zeitpunkt lag Lyanna schon längst in ihrem Zelt und schlief tief und fest. Und so sollte es auch bleiben.
Was sonst noch in dieser Nacht geschah und wo ich mich herumtrieb, ist nicht unbedingt dazu gedacht, aufgeschrieben zu werden. Ich möchte nur so viel sagen: Es war eine große Delegation der Drow mit einer Königin zum Fest angereist und Drow Männchen, wenn sie in ihrem Stolz verletzt sind, können unglaublich nützlich sein und dumme Dinge machen.
Als der Morgen anbrach, drückte ich am vereinbarten Ort dem jungen Mann eine verschlossene Phiole mit einem schneeweißen Haar darin in die Hand und sagte. „Irgendwann werd‘ ich was von dir brauchen, überlebe bis dahin.“
Froh, eine mögliche Gefahr von unserer Protecta abgewendet zu haben, machte ich mich auf zum Frühstück. Auf dem Weg begegnete mir ein große Gruppe von Drow, angeführt von ihrer Königin.
Ich senkte respektvoll meinen Kopf vor der hohen Herrin und sie musste auch nicht unbedingt das kleine Lächeln sehen, dass mir über das Gesicht huschte. „Was für hübsche Haare“ dachte ich…