Richtigstellung

TdT – 224, 8. Mond, Tag 15-17

Kaum war ich am Gelände angekommen, ging es los: ein jeder wollte mir seine Meinung zu der „Dämonensache“ aufschwatzen.

Die Drow hatten auf dem letzten Jahresfest des Schwarzen Kreises einen Dämon freigelassen. Das Paktieren mit Dämonen war in Whenua strengstens verboten und wurde mit dem Tode bestraft. Einige drängten mich dazu LiNeer, welche für das Ritual hauptverantwortlich war, sofort hinrichten zu lassen. Ich spürte wie allgemeine Vorurteile gegen die Drow die eigentliche Aussage überschatteten. Eine dunkle Hautfarbe, eine ungewöhnliche Führungsart und vor allem die Aura des Mysteriums – das macht die Drow so schnell zum Ziel von Hass.

Nun war es aber keines Wegs so, dass die Drow den Dämon aus simplem Eigennutz gerufen hatten. Tatsächlich hatte sie ein Mensch, Bruder Richard vom Orden der Heiligen Flamme, darum gebeten die Seele seiner Schwester zu retten. Jene steckte in einer fremden Dimension fest, und bei ihrer Befreiung entkam bedauerlicherweise auch der Dämon.

Anstatt kaltherzig des Gesetz auszuführen und sie für eine nicht-vorsätzliche Tat zu richten, entschied ich ihnen aufzuerlegen, dass sie die eingebrockte Suppe auch wieder auslöffelten. LiNeer und alle am Ritual Beteiligten würden den entkommenen Dämon selbst wieder festsetzen müssen. Das würde ihre Schuld tilgen.

Ich nutzte den Moment direkt vor der Preisverleihung, um der bereits versammelten Gästeschar all dies zu erklären. Die Menge war ungeduldig, weil sie auf die Verkündung der Siegerinnen wartete. Aber diese Richtigstellung war wichtiger.

Die Wahrheit soll alle erreichen und den unbegründeten Hass ersticken.

Wer den Kupfer nicht ehrt

14. Jahresfest SK –225, 5. Mond, Tag 29-31

Das Casino der Bettlerschmiede war, seinem Namen zum Trotz, stilvoll eingerichtet und ich wurde auch sogleich mit einem kalten Sprudel empfangen. Unterschiedlichste Spiele waren in Regalen aufgereiht. Stehtische, kuschelige Ecken und ein großer Pokertisch luden zum Verweilen ein. Ich bin dem Glücksspiel nicht besonders zugetan, doch ab und an ist es dennoch unterhaltsam. Und so setzte ich mich an den Pokertisch, jedoch für einige Runden Black Jack. Bald bemerkte ich, dass mein Sitznachbar keine Münzen mehr übrig hatte.

Aufgrund meiner guten Laune spendierte ich ihm ein paar Kupfer. Schon bald fiel anderen Gästen unsere Freude am Spiel auf und sie gesellten sich dazu. Dann merkte jemand an: „Werte Protecta, wieso setzt Ihr denn nur Kupfer? Ihr müsstet doch genügend andere Münzen haben!“

Ich lachte und erklärte im heiter: „Mir geht es doch nicht ums Gewinnen. Ich möchte, dass der Kartengeber möglichst viel verdient. Das kommt auch mir in Form von Steuern zugute.“

Außerdem reizt es mich nicht in Spielen das Risiko zu suchen. Mein Leben ist riskant genug.

Hofhalten, oder so ähnlich

TdT – 225, 8. Mond, Tag 13-16

Der Doedelmokker und die Bettlerschmiede hatten diese alte Scheune überraschend gemütlich eingerichtet. Unter abwechselnd gelben und roten Wimpeln fand ich mich mit Fred auf einem weichen Sofa ein, um bei einer kalten Flasche Schaumwein Whenuas Einwohnern und allen Gästen ein offenes Ohr zu schenken. Marvis war dieses Jahr aufgrund wichtiger Belange nicht anzutreffen, doch Canis hatte die Pflicht zu erscheinen. Etwas zu spät und augenscheinlich betrunken traf er dann doch ein. Da hat jemand dem Branntweinfrühstück des Schwarzen Kreises wohl zu sehr beigewohnt…

Ein Dokument, damit die Seelen verstorbener Kämpfer Ruhe finden; ein Vorschlag für die Formulierung deutlicherer Turnierregeln; eine Aufenthaltserlaubnis für Reisende mit Dämonenmahl; der Vorschlag für eine finanzielle Förderung der Rwang und so manch anderes wurden vorgetragen.

Besonders mutig fand ich ein junges Mädchen, Eleonora von den Bluteichen, die vor uns drei trat und ihren Lobgesang an die Märchen zum Besten gab.

Doch im Grunde waren es nicht besonders viele, die uns aufsuchten. Fred verlor schnell das Interesse und widmete sich wieder seinen anderen Pflichten zu. Ja und Canis? Der fiel fast von der Bank und schlief wohl danach seinen Rausch aus.

Ich suchte mir bessere Unterhaltung und lud Barden dazu ein, mir ihren Wettbewerbsbeitrag vorzubringen: Meister Rocke mit seiner Ukulele brachte ein schwungvolles Tavernen-Ständchen und die sanfte Soleil verzauberte mich mit ihrer herzzerreisenden Ballade.

So bekam diese Hofhaltung noch einen klangvollen Abschluss für mich.

Ein Schicksal in Ketten

TdT – 225, 8. Mond, Tag 13-16

Verwundert sah ich, wie die junge Bardin, die heute morgen beim Schwarzen Kreis gesungen hatte, nun Sixtus, das Schwarze Schicksal, in eisernen Ketten herumführen als währe er eine Trophäe. Seltsam…

Gleich darauf kam jemand aufgeregt auf mich zu und wollte mir von dieser Besonderheit berichten. Anscheinend behauptete das Mädchen, sie wäre Canis‘ Latrans rechtmäßige Vertretung und das Schicksal läge freiwillig in Ketten. Erwartungsvoll sah mich der Berichtende an und fragte ob dem denn weiter nachgegangen werden sollte. Ich zog die Augenbrauen hoch und sagte mit vorwurfsvollem Blick: „Ja!“ Was denn sonst!

Einige Zeit später betrat ich das Linsar Garde Lager, eigentlich um mein Sammelkarten-Set aufzustocken. Aber dazu kam ich nicht. Die Bardin befand sich dort und das Schicksal lag noch immer in Ketten. Sie schienen mit den Linsar Gardisten in eine hitzige Diskussion verwickelt. Mir wurde ein Dokument gezeigt, welches angeblich Canis während des Branntweinfrühstücks unterzeichnet haben sollte. Ich würde gerne behaupten, dass Canis so etwas nie ernst meinen Würde, aber das kann ich leider nicht.

Da war ich wohl nicht die einzige, ansonsten wäre dieser Vertrag wohl ohne Widerspruch sofort als nichtig deklariert worden. Canis selbst war zu diesem Zeitpunkt leider unpässlich (auch aufgrund des Branntweinfrühstücks) und konnte nicht in dieser Sache befragt werden. Die Gardistin Hana konnte zwar nicht lesen, aber man hätte ihr den Vertrag schon viel früher zeigen sollen. Sie war die einzige der sofort auffiel, dass das Wichtigste fehlte: Das Siegel.

Erleichtert einen unumstößlichen Grund für die Invalidität der Behauptungen der Bardin gefunden zu haben, verkündete Valerian, dass die Bardin wohl verrückt sei, und verordnete ihr einen Aufenthalt beim Orden Meltus.

Sixtus verlor offenbar die Freude an diesem Spiel und legte daraufhin von sich aus die Ketten wieder ab. Es war ihm wohl wirklich jederzeit möglich gewesen.

Viel Wirbel um nichts. Wo habe ich jetzt meine Karten?

Brutus, der jüngste Rekrut der Garde, half mir eifrig dabei, mein Set zu vergrößern. Danke

Abruptes Ende

TdT – 225, 8. Mond, Tag 13-16

„In 10 Augenblicken wird die Siegerehrung stattfinden!“ schallte es von Weitem. Ich wollte mich gerade zum Turnierkreis aufmachen um ihrer beiwohnen, da erreichte mich ein fleißiger Postbote. Er gab mir einen versigelten Brief, ich öffnete ihn und überflog den Inhalt. Es gab neue Erkenntnisse über „das Unaussprechliche“! Mit düsterem Blick sah ich den Postboten an: „Du musst für mich eine Nachricht nicht nur überbringen, sondern auch verfassen – ich reise sofort nach Gradum.“

Und so schnell kann ein Fest vorbei sein.